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Festsetzung des Einzelleistungstarifs in der ambulanten Physiotherapie durch den Bundesrat

Die tarifpartnerschaftliche Verlängerung der Tarifstruktur für ambulante Physiotherapieleistungen ist am 30. September abgelaufen. Bis dahin konnten sich nicht sämtliche Tarifpartner auf einen neuen Tarifstrukturvertrag einigen. 

curafutura und H+ haben als Vertragspartner einen neuen Einzelleistungstarif ambulante Physiotherapie für den Bereich der obligatorischen Krankenpflegversicherung inklusive den Einführungsmodalitäten und den Prozessen zur periodischen Anpassung erarbeitet. Sie haben den Vertrag am 15. August 2016 dem Bundesrat zur Genehmigung eingereicht. 

Am 23. November 2016 hat der Bundesrat entschieden, die bestehende veraltete Tarifstruktur für ambulante Physiotherapieleistungen per 1. Oktober 2016 rückwirkend und mit einer Befristung bis 31. Dezember 2017 festzusetzen. So konnte der Bundesrat eine Rechtsunsicherheit durch einen vertragslosen Zustand verhindern.

Die vom Bundesrat festgelegte Tarifstruktur ist für alle Akteure verbindlich bis Ende 2017 festgelegt. Während dieser Übergangsfrist sind die Tarifpartner aufgefordert, die mit dieser Festlegung gewonnene Zeit zu nutzen, um eine Einigung betreffend die künftige Tarifstruktur zu finden.

Kommt innert angemessener Frist keine Einigung zustande, fordert curafutura den Bundesrat auf, die eingereichte Tarifstruktur im Frühjahr 2017 in die Vernehmlassung zu geben, damit sie auf den 1. Januar 2018 festgesetzt werden kann.

curafutura und H+ sind überzeugt, dass die eingereichte Tarifstruktur zeitgemäss, wirtschaftlich und zweckmässig ist, da sie von allen Tarifpartnern mitentwickelt worden ist.

Eingereichte Tarifstruktur von curafutura und H+

Für Fragen steht Ihnen gerne unser Fachspezialist Adrian Schärli zur Verfügung: Adrian Schärli

6 gute Gründe sprechen für den neuen Physiotherapeutentarif

curafutura und H+ haben dem Bundesrat am 15. August 2016 den Vertrag über eine neue Tarifstruktur für «Physiotherapeutische Leistungen» zur Genehmigung eingereicht. Die Tarifstruktur ist totalrevidiert und damit sachgerechter als die derzeit aktuelle Tarifstruktur mit seinen Pauschalen aus dem Jahr 1998, mit der 2015 immerhin rund 1 Milliarde Franken umgesetzt wurden. Sechs gute Gründe sprechen für den neuen Physiotherapeutentarif. curafutura fordert deshalb den Bundesrat auf, die neue Tarifstruktur festzusetzen und damit ein starkes Signal für einen sachgerechten Tarif zu auszusenden.

Volle Kostentransparenz

Die Taxpunkte pro Leistung berechnen sich nach einem neu entwickelten Modell, welches die heutigen durchschnittlichen Gestehungskosten der physiotherapeutischen Leistungserbringung sowie die Jahresarbeitszeiten transparent abbildet und jederzeit aktualisiert werden kann (Kasten).

Neu wird die Länge einer Konsultation ausgewiesen

In der Nomenklatur der neuen Tarifstruktur ist klar ersichtlich, wie lange eine physiotherapeutische Behandlung mindestens dauern muss. Heute ist diese Zeitspanne den Patienten unbekannt. Eine normale Einzeltherapie direkt am Patienten dauert neu mindestens 25 Minuten. Auf der Patientenrechnung wird das genauso ausgewiesen.

Besondere Aufwände werden extra bezahlt

Leistungen wie beispielsweise die «fallbezogene mündliche und/oder schriftliche Kommunikation mit behandelnden Leistungserbringern», «Multidisziplinäre Fallbesprechung» oder «Zuschlag Sonn- und Feiertage» sind nicht mehr in einer Haupt-Pauschale inkludiert, sondern werden separat abgerechnet und auf der Rechnung ausgewiesen.

Klare Abrechnungsregeln

Die Regeln für die Anwendung der Tarifstruktur werden angepasst und präzisiert. Beispielsweise hat der Physiotherapeut zukünftig die Möglichkeit, einen erhöhten Zeitbedarf für die Behandlung eines Kindes abzurechnen oder auch einen zweiten Physiotherapeuten zur Behandlung hinzuzuziehen. Klare Abrechnungsregeln ersparen Nachfragen der Krankenversicherer bei Physiotherapeuten zu Leistungsabrechnungen.

Geringerer administrativer Aufwand bei den Krankenversicherern und den Physiotherapeuten

Das Behandlungs- und Schienenmaterial erhält neu eigene Tarifziffern und klare Preisvorgaben. Der hohe Aufwand für die Rechnungskontrolle durch die heute verwendeten unterschiedlichen Tarife (452, 940, 400, 311, 999) entfällt.

Moderne neue Physiotherapien können mit dem Tarif verrechnet werden

Fortschrittliche Therapieverfahren, wie die so genannte «Robotik», sind in der Tarifstruktur abgebildet. Dabei handelt es sich um robotergestützte Therapien, welche beispielsweise Patienten mit Schlaganfall helfen, Bewegungen mit Armen, Händen oder Beinen wieder zu erlernen. Der Roboter begleitet, registriert und visualisiert die Bewegungen des Patienten.

Für curafutura sprechen diese sechs guten Gründe dafür, den alten Pauschaltarif durch die neue Einzelleistungstarifstruktur zu ersetzen, die in den letzten 2 Jahren gemeinsam mit allen Tarifpartnern (curafutura, santésuisse, H+, physioswiss und ASPI) entwickelt wurde. 

Der Grund für den Rückzug der Physiotherapeuten aus den Verhandlungen erst kurz vor dem Einreichen der Verträge an den Bundesrat liegt offensichtlich in der «Kostenneutralität». Die Kostenneutralität wird durch ein Normierungsverfahren erreicht, um mit dem Wechsel der Abrechnungsmethode bei einem unveränderten Leistungsvolumen keine Mehrkosten zu verursachen. 

Im Ergebnis wird die physiotherapeutische Einzeltherapie von heute 48 Taxpunkten (Pauschale) auf 47 Taxpunkte (Einzelleistung) reduziert. Zusätzlich kann der Physiotherapeut aber andere Leistungen, beispielsweise einen Sonn- und Feiertagszuschlag pro 15 Minuten mit 9 Taxpunkten oder eine Leistung in Abwesenheit mit 8 Taxpunkten pro 5 Minuten extra verrechnen. 

curafutura hat kein Verständnis dafür, dass die Physiotherapeutenverbände physioswiss und ASPI trotz der offensichtlichen Vorteile der neuen Einzelleistungs-Tarifstruktur zusätzlich eine ca. 10 % höhere Abgeltung fordern. Dies angesichts der Tatsache, dass die Kosten für die Tätigkeit der selbständigen Physiotherapeuten pro versicherte Person in den letzten Jahren stark gestiegen sind (vgl. Kasten). Noch nicht abgebildet sind die höheren Taxpunktwerte, die die Einkaufgemeinschaft HSK und CSS seit Januar 2016 bezahlen.

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