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Eigenverantwortung stärken anstatt schwächen

curafutura lehnt die Änderung der Krankenversicherungsverordnung KVV zur Streichung von Wahlfranchisen und zur Reduktion des maximalen Prämienrabatts ab. Der Vorschlag ist konzeptlos und unvernünftig. Einerseits wird die Wahlfreiheit der Versicherten beschnitten und andererseits der Anreiz für kostenbewusstes Verhalten geschwächt, was schliesslich in höheren Prämien für alle resultiert. Im heutigen System muss die Eigenverantwortung gestärkt und nicht geschwächt werden.

Der Bundesrat schlägt vor, die «selten gewählten» Franchisen bei den Erwachsenen von 1'000 und 2'000 Franken zu streichen, um das Prämiensystem zu vereinfachen. Zudem soll der maximale Rabatt auf die 1'500 und 2'500 Franken-Wahlfranchise von heute 70 auf neu 60 bzw. 50 Prozent gesenkt und damit die Solidarität gestärkt werden.

Vorab ist festzuhalten, dass die zur Streichung vorgeschlagenen Franchisen von fast 600'000 Versicherten gewählt werden. Sie haben sich kaum irrtümlicherweise oder zufällig, sondern bewusst dafür entschieden. «Das Argument der Systemvereinfachung ist nur vorgeschoben. Faktisch geht es um eine zunehmende Gleichschaltung, indem auf der Seite der Versicherten die Angebotsvielfalt und auf der Seite der Versicherer der Freiraum bei der Prämiengestaltung eingeschränkt werden», sagt curafutura-Direktor Pius Zängerle. Die Versicherten sind sehr wohl fähig, Angebote zu vergleichen und das für sie passendste auszuwählen. Sie müssen und wollen nicht bevormundet werden.

Die Verlautbarung des Bundesamts für Gesundheit, wonach die Änderung mehr Gewinner als Verlierer mit sich bringt, ist kurzsichtig und undifferenziert. Wer eine hohe Franchise wählt, überlegt sich den Gang zum Arzt zweimal. Daraus resultiert ein erheblicher Spareffekt. Eine Studie beziffert ihn auf 1.1 Milliarden Franken jährlich. Mit der Rabattkürzung werden die hohen Franchisen unattraktiver und der Sparanreiz entsprechend schwächer, was unter dem Strich höhere Prämien für alle bedeutet.

Eine differenzierte Betrachtung zeigt darüber hinaus, dass heute eine Mehrheit der Familien hohe Franchisen wählt. Unmittelbar wären folglich Haushalte mit Kindern von den Rabattkürzungen im Vergleich zur Gesamtbevölkerung überproportional betroffen. Ein Paar mit zwei Kindern etwa müsste bei einer Wahlfranchise von 2'500 Franken im Vergleich zu heute mit einer Prämienerhöhung von über zehn Prozent rechnen.

Ein Blick in die BAG-Statistik zeigt, dass Personen mit Wahlfranchisen einen beachtlichen Solidaritätsbeitrag leisten. Im Jahr 2014 haben sie unter dem Strich über 900 Millionen Franken mehr einbezahlt als bezogen. «Der Vorschlag ist ein Affront all jenen gegenüber, die seit Jahren mit einer hohen Franchise Kosten sparen und so einen substanziellen Beitrag an eine nachhaltige Finanzierung des Gesundheitssystems leisten», sagt Zängerle.

Im Kern geht es bei der Vorlage alleine um die Verschiebung der Solidaritätsgrenze, weg von den Modellen mit hoher Eigenverantwortung hin zu Modellen mit reduzierter Eigenverantwortung. In Bezug auf die damit ausgelösten Kosteneffekte ist dieses Vorgehen unvernünftig. Die Eigenverantwortung muss im heutigen System gestärkt und nicht geschwächt werden. curafutura schlägt eine Erhöhung der aktuellen Mindestfranchise, die Einführung einer zusätzlichen Franchise von 3'000 Franken und die Prüfung von Mehrjahresverträgen vor.



Die detaillierte Stellungnahme von curafutura zur Änderung der KVV betreffend Wahlfranchisen und Prämienrabatt

Kontakt für Medienschaffende:

Susanne Steffen, Kommunikation
Telefon: 031 310 01 85; Mobile: 079 571 23 62; susanne.steffen@curafutura.ch

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